Familien im Auge des Betrachters – Einseitige Thesen

Familien stehen im Brennpunkt gesellschaftlicher Kritik. Neuere Buchtitel beschimpfen Eltern immer öfter als Helikoptereltern mit Förderwahn, die Tyrannenkinder heranzögen. „Der Egoismus der >Generation Selbstverwirklichung< gefährdet unsere Zukunft“, heißt es auf dem Buchrücken eines neueren Buches. Dabei werden die Autoren als scharfsinnig und provokant beschrieben, die auf Fehlerziehung mit fatalen Folgen aufmerksam machen. Während Eltern beschimpft, beleidigt, gedemütigt werden. Kinder, die wie Erwachsene behandelt würden, Eltern zwischen Vernachlässigung und Förderwahn, eine Kindheit, die abgeschafft würde und eine Gesellschaft, die doch einfach nur wieder ihre Kinder lieben will. 

Eltern werden öffentlich an den Pranger gestellt und gesteinigt – ganz legitim. Und alle richten ihren Blick auf diese Eltern, die offensichtlich gar nichts richtig machen und es schon gar niemandem recht machen können. Gehen Frauen beispielsweise wieder früh arbeiten, heißt es nach eben diesen Autoren, Kinder gehörten in die Familien und nicht in staatliche Kinderbetreuungseinrichtungen. Aber warum die Politik Millionengelder in eben diese Einrichtungen steckt als in Familien, darauf wird nicht eingegangen. Bleiben Mütter länger zuhause, heißt es ihre Kinder stünden unter ständiger Beobachtung und ihre Kontrolle hemme die kindliche Entfaltung. Die Politik möchte Vätern die Elternzeit ermöglichen, aber wehe sie nehmen sie tatsächlich. Missbilligt vom Arbeitgeber und Kollegen, die sich nicht scheuen, ihre Meinung dazu kund zu tun. Wem also recht machen?

Wer sind denn eigentlich diese Autoren, die öffentlich gegen Eltern hetzen?

Familientherapeuten, die über Projektionen (d.h. der Erwachsene entwickelt das Bedürfnis vom Kind geliebt zu werden) und Symbiose (das Kind wird im Rahmen einer psychischen Verschmelzung ein Teil des Erwachsenen) sprechen. Mediziner, die darüber klagen, Eltern machten ihre gesunden Kinder zu Patienten. Psychologen, die über psychische Auffälligkeiten der Kinder berichten, weil die Eltern versäumt hätten sie zu erziehen. Diese Autoren schreiben aus der Brille ihres Fachbereichs und betrachten ein Phänomen: Die Abschaffung der Kindheit. Für sie ist es ist ein leichtes darüber zu schreiben und Eltern öffentlich zu diskreditieren. Haben sie es doch mit einer Gruppe zu tun, hinter der keine Lobby steht, die sie schützt. Völlig wehrlos sind sie der Politik und sogenannten Fachleuten ausgesetzt.

Und letzten Endes stehen sie vor einer Gesellschaft, die immer familienunfreundlicher wird, weil sie eben diese Kinder nicht lieben kann.

Macht sie es sich damit nicht allzu leicht? Heisst es nicht in einem afrikanischen Sprichwort: „Um ein Kind zu erziehen bedarf es eines ganzen Dorfes.“ Aber wo ist denn das Dorf, wenn man es braucht? Es ist nicht mehr da. Die Industrialisierung führte zur Auflösung der großen Haushaltsfamilien, in denen mehrere Generationen eine Lebensgemeinschaft bildeten. Die herausgelösten Kernfamilien sind auf sich allein gestellt, bzw. abgelöst durch die postmoderne Familie, Patchworkfamilien zählen hierzu. Sprechen wir hier also nicht von einem gesamtgesellschaftlichen Phänomen?

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Quelle: Pixabay

Immerhin war es ja auch die Gesellschaft, die die Kindheit erschaffen hat. Denn das Kindsein hat sich im Laufe der Jahrhunderte immer wieder verändert. Im 18. Jahrhundert entwickelte sich eine differenzierte Sichtweise über Kinder. Sie wurden nun als Individuen gesehen. Erst in der Epoche des Biedermeier wurde die Kindheit in ihrer heutigen Form erschaffen. Es war ein gesellschaftlicher Prozess. Und ist es nicht eben auch ein gesellschaftlicher Prozess, der diese Kindheit wieder abschafft? Eltern die alleinige Schuld zu geben ist eben nur zu kurz gedacht, betrachtet aus einer jeweiligen Fachdisziplin. Sie werden in die Isolation getrieben. Aber hat die Gesellschaft keine Fürsorgepflicht? Es wäre die Aufgabe der Soziologe eben diesen Ungleichgewicht wieder gerade zu rücken. Diese konzentrieren sich aber gerade darauf, wie sich Kinder und Jugendliche in dieser Gesellschaft zurecht finden als gesellschaftliche Akteure unter dem Aspekt der sozialen Gerechtigkeit. Eltern im Brennpunkt des gesellschaftlichen Interesses haben sie bisher als Themenpunkt noch nicht erkannt.

Und so lange das so ist, gilt es für alle Eltern sich nicht unterkriegen zu lassen.

Sind sie es doch nicht, die Krankheiten, wie beispielsweise ADHS erfunden haben. Mediziner, die eine Krankheit erschaffen und Psychologen das Diagnoseverfahren, um eben diese zu erfassen und geben schließlich Eltern die Schuld, dass ihre Kinder das haben. Völlig absurd! So dürfen Eltern berechtigterweise zurück schimpfen.

Aber in einem sind wir uns alle einig:

Kinder sollen Kinder sein dürfen. Dann lasst uns alle gemeinsam daran arbeiten! Denn es sind eben nicht nur Eltern, die Kinder erziehen, sondern die Gesellschaft leistet einen erheblichen Beitrag dazu. Wir brauchen ein familienfreundlicheres Klima und da kann jeder ansetzen, nicht nur die Politik, sondern auch der Chef, der Nachbar, der Restaurantbetreiber, Fahrgäste im öffentlichen Nahverkehr.

Und so kann man fürs erste nur hoffen, dass Eltern sich diese Schmähbücher nicht allzu sehr zu Herzen nehmen und Autoren auf das reduzieren was sie sind: Keine großen Denker und Theoretiker, sondern Menschen, die aus ihrem beruflichen Alltag, in dem es in irgendeiner Weise immer um Krankheit geht, auf das für sie Naheliegendste projizieren. Denn nichts mehr vermögen diese undifferenzierten und einseitigen populistischen Thesen ohne jeglichen empirischen Beleg zu sein als das.

Und so appellieren wir von elternheute

Die einseitigen und undifferenzierten Betrachtungen von Familie führt zu ihrer Isolation. Diese Gesellschaft liegt im sterben, wenn wir unsere Kinder nicht lieben können. Und Liebe funktioniert nicht nur einseitig. Die Frage ist nicht, was können Eltern tun, damit die Gesellschaft ihre Kinder wieder lieben kann. Damit würde man Eltern eine Bürde auferlegen, sie sie alleine gar nicht stemmen können. Die Frage ist auch, was kann die Gesellschaft tun, damit sie selbst wieder liebenswert und lebenswert für ihre Mitglieder ist. Es gehört zu ihrer Verantwortung und dieser kann sie sich nicht entledigen.

 

Autorin: Derya Bonifer

Wie ist Deine Meinung dazu? Wir sind gespannt.

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