Regretting Motherhood – oder was war zuerst da – der eigene Anspruch oder das Kind?

Das Phänomen Regretting Motherhood – und warum wir diese Debatte als Chance betrachten können

Im letzten Jahr rief die Studie „Regretting Motherhood“ eine heftige Debatte in Deutschland aus. Die israelische Soziologin Orna Donath interviewte in ihrer kleinen Studie 23 Frauen, die ihre Mutterschaft bereuten, obwohl sie allesamt angaben, ihre Kinder zu lieben. Seitdem liefern sich Menschen unter dem Hashtag #regrettingmotherhood wilde Schlammschlachten, die in der digitalen Anonymität zum Teil sehr unschön sind.

Die aktuelle YouGov Studie legt nochmal eine Schippe drauf und zeigt, dass das Regretting-Phänomen in Deutschland nicht nur die Mütter betrifft, sondern auch die Väter.

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Könnten sie sich noch einmal entscheiden, würden sich 20% der Väter und 19% der Mütter gegen die Elternschaft entscheiden. Auch in dieser Studie gaben diese Eltern an, ihre Kinder zu lieben. Selbst 15% der Eltern, deren Kinder Wunschkinder waren, gaben an, sich nicht nochmal für Kinder zu entscheiden.

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Was sind also die Gründe, wenn Eltern, obwohl sie ihre Kinder lieben, sich doch dagegen entscheiden würden, wenn sie die Uhr zurück drehen könnten?

Etwa 52% der Eltern gaben an, sich in ihrer persönlichen Entfaltung eingeschränkt zu fühlen.
Fehlende Betreuungsmöglichkeiten waren ebenfalls ein wichtiger Grund.
Insgesamt gaben 44% der Mütter an, ihre Karriere wäre womöglich ohne Kinder besser verlaufen. 20% der Väter sahen das auch so. Davon waren 60% derjenigen, die sich gegen Kinder entscheiden würden. Karriere scheint daher zusätzlich ein wichtiger Faktor zu sein.

Alleinerziehende würden sich mit 22% minimal öfter gegen Kinder entscheiden, als Eltern, die sich die Arbeit teilen (16%).

In Anbetracht der Zahlen, werden Kinder heute als Einschränkung, sowohl der persönlichen Entfaltung als auch der Karrieremöglichkeiten erlebt. Gehörten Kinder früher einfach dazu, sieht es heute durch die Vielfalt der persönlichen Wahl- und Planungsmöglichkeiten schon ganz anders aus.
Wir wollen alles: Eine gute Ausbildung, eine steile Karriere, den perfekten Partner, eine perfekte Hochzeit, wir wollen reich und sexy sein, wir wollen tolle Kinder, eine glückliche Familie, das eigene Haus und mindestens einmal im Jahr in den Urlaub, ein Stück vom Kuchen, denn darauf haben wir Anspruch! Und wir wollen das alles jetzt und alles gleichzeitig.

Und plötzlich können wir unseren eigenen Ansprüchen nicht mehr genügen

Und sind die Kinder erstmal da, kann man seinen eigenen hohen Ansprüchen plötzlich nicht mehr genügen. Irgendwie läuft alles aus dem Ruder und der tolle Plan, DER Lebensentwurf schlechthin, geht nicht auf! Also muss weg, was den Plan durchkreuzt und das wären dann bitteschön erstmal die Kinder. Ob es dann tatsächlich mit der Karriere besser geklappt hätte? Tja, das werden wir wohl leider nie erfahren. Vielleicht müsste man dazu Zahlen von Kinderlosen heranziehen. Eine Longitudinalstudie der Universität Princeton kam jedenfalls zu dem Ergebnis, dass Kinderlose – zumindest ab dem Alter von 50 Jahren, wenn die Nachwuchsfrage geklärt ist – etwas glücklicher sind als Eltern. Das klingt jetzt noch nicht so überzeugend. Also sollten wir vielleicht anfangen, unsere Ansprüche realistischer zu gestalten. Vielleicht nicht alles und alles auf einmal. Step-by-Step geht doch auch oder? Oft lohnt es sich auch mal in sich hineinzuhorchen und sich selbst die Frage zustellen: Was ist dann, wenn ich dieses Ziel erreicht habe? Also was steht hinter dem Ziel? Und kann ich das vielleicht anders erreichen?

Frauen gehören in Führungspositionen

Fakt ist aber, Frauen haben eine höhere Bildung als noch vor 50 Jahren. Dementsprechend möchten sie natürlich eine ihrer Bildung angemessene Stellung. Und dann ist da wieder das Problem von Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Führungspositionen gibt es selten in Teilzeit. Und Vollzeit arbeiten mit Kindern, zumindest mit Kleinkindern, ist nun mal bedeutend anstrengender, alleine in der Frage der Organisation. Kein Wunder, wenn die Statistik von YouGov zu diesem Ergebnis gekommen ist. Es ist ein Teufelskreislauf, den durchzubrechen nicht ausschließlich der Verzicht auf Kinder sein kann. Frauen gehören, aufgrund ihrer Bildung, auch in Führungspositionen, das steht fest. Es sollte ihnen die Möglichkeit gegeben werden, diese auch in Teilzeit auszuführen. Kein leichtes Unterfangen, das in jedem Konzern durchzubringen und umzustrukturieren. Aber wo ein Wille, da ein Weg. Wenn er Wille da ist, dann lasst uns darüber sprechen, wie wir das realisieren können!

Autorin: Derya Bonifer

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